Kleines Projekt – Lange Geschichte: Projekt Wake Up!

Kleines Projekt – Lange Geschichte: Projekt Wake Up!




Der von den Bewohnern „Bunker“ genannte Hochhausblock, dessen offizielle Bezeichnung „Legiencenter“ lautet, befindet sich in der Billstedter Hauptstraße, Ecke Legienstraße in Billstedt. In diesem großen Gebäude aus Beton und Klinker mit zehn Hauseingängen leben ca. 160 Haushalte mit mindestens 450 Menschen, darunter etwa 200 Kinder und Jugendliche. Fast alle Bewohner des Bunkers haben Migrationshintergrund.

Im Jahr 2007 wurde mit vielen Akteuren aus dem Quartier das Projekt Wake Up! entwickelt.
Das Projekt wird unter der Trägerschaft des Vereins Hamburger Kinder- und Jugendhilfe e.V. zusammen mit HELP e.V. durchgeführt und vom Bezirksamt Hamburg-Mitte, Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung als Modellprojekt im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ sowie von Help e.V. und vom  Jugendamt Mitte/Region 2 finanziert und unterstützt.

Die Wake Up!-Angebote richten sich an Erwachsene, Jugendliche und Kinder des Legiencenters. Die Angebote werden flexibel gestaltet und auf die Bedürfnisse der Anwohner abgestimmt. Durch die Angebote mit den Grundschulkindern wird die Möglichkeit geschaffen, aufsuchend mit den Eltern in Kontakt zu treten und sie in ihrer Erziehungsaufgabe in die Pflicht zu nehmen. Erst durch die Kontakte mit den Kindern und den Angeboten für Kinder werden die Bedarfe sichtbar, wodurch ein präventives Einwirken möglich wird. Bei bereits bestehenden Problemlagen, mit denen die Eltern an Wake Up! herantreten, die aber im eigenen Arbeitsrahmen nicht bedient werden können, wird zur  Hilfesuche ermutigt und ggf. begleitet. Daneben steht Wake Up! für die Institutionen wie Schule oder Jugendamt, die Kontakt zu den Bewohnern suchen bzw. halten, als Ansprechpartner zur Verfügung.


Angebote des Wake Up!:

Schulbrotausgabe
Von Montag bis Freitag werden im Wake up! Schulbrote vorbereitet, welche die Kinder zusammen mit den Neuigkeiten aus dem Projekt mitnehmen können.

Mentoring/Schülerclub
Zwei Mal in der Woche, mittwochs und donnerstags, werden Grundschulkinder ohne Nachmittagsbetreuung in drei Gruppen von drei GymnasialschülerInnen mit Migrationshintergrund schulisch begleitet. In diesem Zusammenhang wird versucht, die Arbeitshaltung der Kinder bezogen auf die Schule zu verbessern und ihnen Raum für das Soziale Lernen zu bieten. Dabei steht Wake Up! mit den Eltern und Lehrern der Kinder in regelmäßigem Kontakt.

Lesestube
Die Bewohner bekommen Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten sowie bei der Weitervermittlung.

Dienstagsangebote
Durch die Arbeit vor Ort hat Wake Up! die Möglichkeit, eine Einschätzung über die erforderliche präventive Arbeit im Legiencenter zu gewinnen. Diese Bedarfe werden entsprechend der pädagogischen und zeitlichen Möglichkeiten sowie der gesetzten Prioritäten des Projektes in neue Angebote übersetzt.

Fußball
Mit einem neuen Fußball-Angebot, das nach der Winterpause im Frühjahr 2011 wieder aufgenommen wird, sollen verstärkt die Jugendlichen angesprochen werden.

Frauengruppe
Im Rahmen der Frauengruppe treffen sich die Anwohnerinnen jeden Montag um sich auszutauschen, über die für sie relevanten Themen zu sprechen und in Kontakt mit anderen Frauen zu treten.

Legienspiele
Jeden Montag finden die Legienspiele auf dem Hof des Legiencenters statt.
In Kooperation mit den „StadtFindern“, die das Angebot organisieren und durchführen, können die Kinder des Legiencenters neue Spiele entdecken und erfinden.
Durch die Anschaffung eines Materialcontainers auf dem Spielplatz, der u.a. über den Verfügungsfonds des Quartierbeirates finanziert wird, erhofft sich Wake Up!, dass die Eltern in die Materialausgabe und die Begleitung der Kinder beim Spiel eingebunden werden können.

Nachbarschaftstreff am Montag
Der Nachbarschaftstreff ist eine Plattform für alle Nachbarn und für ihre Anregungen oder Probleme. Dabei sollen insbesondere die sozialen Kontakte in der Nachbarschaft gefördert werden. Der Nachbarschaftstreff wird gezielt parallel zu den Legienspielen angeboten. Damit wird interessierten Eltern Raum geboten an dem Treff teilzunehmen, während ihre Kinder bei den Legienspielen betreut werden.

Unterstützung einzelner Hilfesuchender
Es gibt immer wieder Jugendliche und Erwachsene, die in Krisensituationen Wake Up! aufsuchen und um Rat und Hilfe suchen, ohne an ein konkretes Angebot angebunden zu sein. Diese Kontakte ermöglichen immer wieder in Konfliktsituationen, sowohl das Kind als auch die Eltern als Konfliktparteien zu unterstützen. Gegenüber der Polizei, der ARGE, dem Jugendamt oder der Schule stellt sich Wake Up! nicht als Geheimnisträger dar, um die Parteilichkeit seiner Arbeit inhaltlich zu gestalten. Diese Art von Transparenz bietet die Möglichkeit, eigene Ressourcen der Hilfesuchenden zu aktivieren und bewahrt vor den versorgenden Aufgaben.

Vor Ort arbeiten drei Pädagoginnen, welche die Angebote betreuen und begleiten. Neben den Kolleginnen der Schulbrotausgabe und den Mentoren des Schülerclubs sind zwei weitere Bewohner als Projekt-Lotsen im Wake Up! tätig und in unterschiedliche Angebote eingebunden.
Das Wake Up! will Vorbild sein, insbesondere für die Jüngsten. In diesem Sinne bilden die Pädagoginnen, Mentoren und Projekt-Lotsen eine Kette von Vorbildern, die auch zukünftig erweitert und verstärkt werden soll.